
Tanzende Blumen
ZYKLUS Eckard Alker drei Mal bei Uekermann
von Jürgen Kisters
Innenstadt. Der Künstler Eckard Alker ist an seine langjährige Wirkungsstätte zurückgekehrt. So könnte die Überschrift über seine aktuelle Ausstellung in der Werkstattgalerie Uekermann lauten. Denn nur einen Steinwurf von der Galerie entfernt, an der Fachhochschule am Ubierring, lehrte Alker viele Jahre als Kunstdozent. Konkret bedeutete das, die Malerei in ihrer spezifischen Qualität zu vermitteln, in der sie sich von anderen Medien grundsätzlich unterscheidet. Also als ein Medium, das mit gemalten Farben die Erfahrung der Wirklichkeit im Spannungsfeld zwischen genauer Beobachtung und Intuition zum Ausdruck bringt. Jeder Pinselstrich, den Alker auf Leinwand, Karton oder Papier bringt, ist gleichermaßen mit Liebe und Neugier, behutsamer Vorsicht und äußerst präziser Sorgfalt gesetzt. Hier malt er einen Blumenstrauß in „Morandis Vase” als tänzerisches gelbes Leuchten. Dort malt er die ”Wucherblume” in einer verschwommenen Bewegtheit, die weder Ruhe noch Klarheit zu kennen scheint. Einmal wird der Blumenstrauß zum Sinnbild des „gewöhnlichen Glücks”, dann wird er zum Gegenstand einer „Träumerei”.
Mit sehr unterschiedlichen „Blumenstücken” nach der Art des traditionellen Stilllebens zeigt Alker, dass er ganz in der Kontinuität der langen abendländlichen Kunstgeschichte steht. In der großen Wandlungsfähigkeit seiner malerischen Annäherung führt er wiederum vor Augen, wie sich aus den Vorbildern der alten flämischen Meister bis zum Expressionismus, von den Stillleben des Barock über die Malerei der Symbolisten und den japanischen Farbholzschnitten ein ganz eigener Ausdruck finden lässt.
Es ist, als ob die ganze Kunstgeschichte in Alkers Bildern präsent wäre, ohne dass sich das Verlangen eines Vergleiches tatsächlich je einstellen würde. Das dunkle, romantisch-unheimlische Schattenmotiv macht aus dem „Geruch der Blume” ein visuelles Ereignis. Der knospende Ast eines Kirschblütenbaums zeigt gleichermaßen Alkers Bewunderung für die Natur und für die Malerei Vincent van Goghs. Die vielfaserige Blütengestalt wird zur gelbgrünen Verkörperung exotischer Schönheit, und die gelben Schattenblumen zur „Rekonstruktion einer Erinnerung”. Neben Blumen in allen Farb- und Formvarianten sind Landschaften das zweite Motiv der Ausstellung. Ruhig, weit und geheimnisvoll treten sie auf Alkers Gemälden vor Augen. So erzählt der Maler in prächtigen Farben „von der Helligkeit der Ferne”, der „Schönheit des Regenlandes” und der bezaubernden Irritation, die eine leicht abschüssige Anhöhe in die Wahrnehmung bringt. Alkers Landschaften wachsen aus einer malerischen Reduzierung, die ihre Beziehung zum Realismus nie ganz kappt.
Sie gründen auf der Lust des Malers an sanften formalen Experimenten, die an keiner Stelle den Boden der Poesie verlassen. Und sie stehen nicht selten mit des Malers Liebe zur Lyrik in einem Austausch.
Mit all dem gehört Eckart Alker zu den ganz besonderen Malern in der gegenwärtigen Kunstlandschaft. Er atmet die Luft der klassischen Moderne, während ihm zugleich noch der beständige Atem der traditionellen Malerei in den Lungen steckt. Und er pflegt die klassischen malerischen Genres, um zu zeigen, wie sich darin immer währende existenzielle Themen und individuelle Empfindsamkeit ausdrücken lassen.
Wegen des großen Umfang seines Werkes und weil Alker in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, veranstaltet die Galerie Uekermann noch weitere Ausstellungen mit Bildern, Zeichnungen und Grafiken des in Refrath lebenden Künstlers. Der zweite Ausstellungsteil wir am Donnerstag, 24. Februar, der dritte Ausstellungsteil am Donnerstag, 17. März, jeweils um 19 Uhr in der Werkstattgalerie Uekermann in der Südstadt eröffnet.
Werkstattgalerie Uekermann
Mainzer Straße 25, Di-Fr 14-18.30 Uhr,
Sa 11-14 Uhr, bis 19. Februar

Repro: Kisters






